Was haben Südasien und Österreich wirklich gemeinsam?

Was haben Südasien und Österreich wirklich gemeinsam? Diese Frage wirkt zunächst einmal merkwürdig, denn normalerweise würde kaum jemand Österreich mit der asiatischen Region rund um Indien in Verbindung bringen. Doch ein Blick in die Geschichtsbücher zeigt, dass Österreich und Südasien sehr wohl Gemeinsamkeiten haben. Im 18. Jahrhundert versuchte Österreich nämlich, zu anderen europäischen Großmächten der Zeit aufzuschließen und eigene Kolonien in Übersee zu gründen. Ziel der ersten Kolonialexpedition war Südasien. Der indische Subkontinent war damit Schauplatz des ersten Versuches der Habsburg-Monarchie, ein österreichisches Kolonialimperium zu gründen. Wie kam es dazu und was wurde daraus?

shutterstock_372091720Ein Niederländer startete die österreichische Kolonialexpedition

Wer Österreich eher mit Kunst und Design (Infos hierzu finden sich zum Beispiel auf www.designpfad.at) in Verbindung bringt, wird eher überrascht davon sein, von österreichischen Kolonialplänen zu hören. Doch 1776 bat der niederländische Seefahrer William Bolts die österreichische Kaiserin Maria Theresa um die Genehmigung für eine offizielle Kolonialexpedition nach Indien. Dem wurde zugestimmt und 1778 legten seine Schiffe auf den Nikobaren, einer kleinen Inselgruppe südwestlich von Indien, an. Schon bald wurden die dünn besiedelten Inseln zu österreichischem Überseegebiet erklärt. Besonders erhofften sich Bolts und das Wiener Herrschaftshaus davon gute Handelsbeziehungen mit Asien sowie eine gute militärstrategische Position im Indischen Ozean.

Nach wenigen Jahren zog sich Österreich wieder zurück

Doch die Kolonie konnte sich nicht lange halten. Österreich war lediglich mit einem Verwalter und fünf Soldaten auf den Nikobaren präsent. Nachschub blieb aus. Maria Theresia starb 1780, ihr Joseph II. war nicht an einer eigenständigen Kolonialpolitik interessiert. Bereits 1783 starb dann auch der österreichische Verwalter auf den Nikobaren, das Schicksal der Kolonie war somit besiegelt. Im 19. Jahrhundert reiste noch einmal eine Forschungsexpedition auf die Nikobaren, doch die Inseln etablierten sich als englische Kolonie. Obwohl diese Episode der Geschichte heute fast vergessen ist, gibt es also doch Gemeinsamkeiten zwischen Österreich und Südasien. Ein Rest bleibt jedoch: Eine Insel auf den Nikobaren heißt Teressa – benannt nach der Kaiserin.